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  • Ludovica Bello

Rassismus

Silvia Romano.

Sie ist eine 24-Jährige die für einen italienischen Freiwilligenverband in Kenia tätig war. Sie wurde am 20. November 2018 von afrikanischen Terroristen entführt und konnte am 12. Mai 2020 befreit werden: 18 Monate war sie unterwegs mit drei verschiedenen Gruppen von Terroristen und ist zweimal an Malaria erkrankt.

Sie hat das alles überlebt und das ganze Land war überglücklich, sie wieder umarmen zu dürfen...

Bis sie aus dem Flugzeug ausstieg. Sie war mit einem somalischen hellblauen Kleid angekleidet - einem islamischen Kleid!!!

Sofort wurde die ganze Wut der katholischen-gut-denkenden-selbstlosen-herzlichen-#wirlassendichnichtalleineliebesilvia- #wirsinddochbeidirnomatterwhat-Facebook-Nutzer ausgedrückt: sie sei eine Schlampe, sie hätte sich von einem Terroristen schwängern lassen, sie wäre eine Betrügerin und eine Neu-Terroristin (Die letzte Bezeichnung wurde von einem Parlamentarier im italienischen Parlament gesagt!!). Die Zeitungen haben sich in den darauffolgenden Tagen auch den Maul (oder besser-die Seiten?) über Silvia und ihre Entscheidungen zerrissen.

Onkel A. ist ein Lega-Anhänger und ich habe schon immer das Gefühl gehabt, dass es ihm ein Paar Tassen im Schrank fehlen. Sagen wir so: seine Denkfähigkeit ist nicht die von Einstein. Oder von einer Kuh, die friedlich ihre Zeit auf den Wiesen verbringt.

Konnte mein Onkel der Versuchung widerstehen, ihrer lieben Nichte eine Nachricht über Silvia zu schicken? Natürlich nicht. Ich habe nach ein paar Stunden geantwortet, weil ich es bevorzuge, mich nicht schimpfend auszudrücken. Also meine eher milde Antwort war so etwas wie: "Aber Onkel, denke mal bitte, dass Silvia 18 Monaten mit Terroristen unterwegs war!! Sie hat sicher Situationen erlebt, die wir uns nicht vorstellen können! Vielleicht hat die Religion sie geschützt". Keine Antwort

Heute habe ich schon wieder eine Nachricht von Onkel bekommen.

Es hieß in der Nachricht, der Bürgermeister von Messina sei super: Er hätte die sonst von Messinas Bewohner alten, verschimmelten und schmutzigen Hütten an Migranten gegeben. Das sei doch die richtige Lösung: wenn die Italiener so leben, müssen auch die Migranten das ertragen!

Nachdem ich an die menschenverachtende Bedeutung der Nachricht gedacht habe, hat mein Gehirn angefangen, Fragen zu stellen: Und wo dürfen die Messinas Bewohner jetzt wohnen? In anderen Hütten? Oder haben sie endlich Wohnungen bekommen? Und wenn es so ist, warum jetzt? Warum nicht schon viel früher? Warum stolziert der Bürgermeister wie ein Gockel, dass seine Bewohner in schimmeligen, alten Hütten wohnen?

Meine Antwort war: "Lieber Onkel, da ich - Gott sei Dank!- weder Rassistin noch Lega-Anhängerin bin und ich selber Migrantin bin, bete ich Dich darum, mir keine rassistisch Nachrichten".


Ich bin keine Rassistin.

Ich bin für die Freiheit: sexuelle Freiheit, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit. Ich bin ein freier Mensch.

Ihr könnt Veganer, Vegetarier, Fleischfresser, Allesfresser sein, Katholisch, Buddhisten, Muslimen, Tennisspieler, Volleyballspieler, Netflix-Fans, Disneyplus-Fans oder Amazonprime-Fans sein. Das ist vollkommen ok und cool.

Ihr könnt alles sein, was ihr wollt.

Nur nicht Rassisten. Nur nicht den anderen Menschen die Freiheit berauben wollen.

Ich will das klar und deutlich hier aussprechen. Damit alle wissen.



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