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  • Ludovica Bello

Verschwörungsmythen

Ich sitze fassungslos vor dem Computer und versuche, ruhig zu bleiben.

Neben mir liegt nur mein Tee und der Raum ist dunkel.

Es geht um die große Wahrheit, die uns die Zeitungen, die Medien und die Regierung verstecken wollen. Es geht um unsere Freiheit, um die Demokratie. Um die Freiheit, sich anstecken zu können, wenn man will.

Ratlos und hilflos fange ich an zu schreiben. Sogar mein Tee ist müde vom ganzen Quatsch.

Es ist so, dass wir alle müde sind; dass wir uns nicht mehr treffen, einen Kaffee in der Lieblingsbar trinken, eine Pizza mit den Freunden essen, einen schönen Abend in der Oper oder im Kino verbringen können. Der Grund, wissen wir, ist dieser verdammte Virus.

Diese Antwort ist gleichzeitig unglaublich einfach und schwierig: der Corona ist neu und die Wissenschaftler wissen noch nicht so viel darüber, deswegen tendieren sie, sich von Tag zu Tag zu widersprechen. Auch beobachten wir die von den Regierungen der verschiedenen Staaten alternativen und auch sich widersprechenden Lösungen, und wissen auch nicht, was man am besten machen kann. Der Regierung vertrauen? Oder nicht? Fühlt man sich wirklich nicht mehr frei, weil man eine Maske anziehen muss?

Ich muss ehrlich sein: mein Leben hat sich nicht wirklich drastisch verändert: ich bin oft alleine oder mit meinem Mann und ich finde es auch ganz ok. Klar, mag ich auch, in die Oper zu gehen und noch mehr, für ein Publikum singen zu dürfen, und nicht nur für meine mürrischen und verärgerten an die Wände klopfenden Nachbarn.

Aber wenn es nicht geht, weil das die Gesundheit des Publikums gefährden könnte, dann geht das halt nicht und ich finde es auch spannend, dass man sich für sich selbst neue Wege finden kann, sei es, eine neue Sprache zu lernen oder ein neues Buch zu lesen.

Jedoch kann sich aber leider ein Problem ergeben, und zwar was in der Sozialpsychologie "Kognitive Dissonanz"genannt wird und von Rolf Dolbelli in seinem "Die Kunst des klaren Denkens" sehr gut beschrieben wurde.

Die kognitive Dissonanz ist ein negativer von unvereinbaren Kognitionen entstandener Gefühlszustand der Menschen. Ein Beispiel davon kann man in der Fabel von Äesop "De vulpe et uva" finden:

Getrieben vom Hunger begehrte der Fuchs vom hohen Weinstock eine Traube, mit äußersten Kräften springend.

Doch da es ihm unmöglich war, diese zu erlangen, behauptete er im Weggehen:

„Sie ist noch nicht reif; Und saure will ich nicht nehmen.“

Die mit Worten schlecht machen, was sie nicht erreichen können, müssen sich diese Fabel zuschreiben.



So findet der Fuchs einen Ausweg aus der unangenehmen Situation.

Das ist leider, wie wir Menschen ticken, wie wir denken! Wir brauchen eine Lösung, damit unsere Gefühle in Ordnung gebracht werden können. Die ständige Angst, unser Leben nicht kontrollieren zu können, macht uns immer hilf- und machtloser.

Unter diesen Umständen finden Verschwörungsmythen den perfekten Nährboden.

Ich glaube, dass ich auch für viele andere Menschen spreche: ich habe in den letzten zwei Monaten ALLES mögliche gelesen: Bill Gates und seine Frau seien bereit, die Welt durch das Monopol von Corona-Impfungen zu regieren; die Zionisten wollen die Welt regieren, doch nicht! Sie wären tatsächlich schon die große Regenten; die Islamisten seien schuldig, nein, die Jude, nein, doch die Chinesen!!

Ich kriege immer die Krise, wenn ich so etwas lese oder höre. Mir scheint, dass die Leute zu schnell alles vergessen. Man fängt so an, mit Gerüchten, man möge eine bestimmte Kategorie nicht, und dann geriet das außer Kontrolle und ein Hitler kommt wieder in Frage für die Kanzlei. Man fängt so an: "DIE sind anders". Weiter mit:"DIE mögen wir nicht". Und am Ende:"DIE hassen wir".

Aber, bitte, Vorsicht! Wer sagt, ob und wie man "anders" ist? Ich bin auch sehr groß. Ist das "anders sein"? Ich bin Migrantin. Ist das schlimm? Ich bin Italienerin aber habe ein Vorfahre aus Montenegro. Bin ich auch anders?

Schau mal, vielleicht bin ich doch an Corona schuld!



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