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  • Ludovica Bello

„Das gute Leben ist nichts Statisches“

Das gute Leben ist ein Prozess, kein Daseins-Zustand. Es ist eine Richtung, kein Ziel.“ [Carl Rogers]

Bist Du eigentlich noch Sängerin?

Ich lerne, ich entwickle mich und habe so viel Spaß damit. Dank der Pandemie habe ich entdeckt, dass ein langer Prozess mich zu diesem Punkt des Bewusstseins gebracht hat.

Glück hatte ich auch viel! Ich konnte in Bern, Basel, Mannheim, Paris, Darmstadt und in anderen tollen Städten singen. Als ich 22 war und mich dafür entschied, nach Mannheim umzuziehen, war es mein Ziel, die Miete mit meinem Beruf als Sängerin zahlen zu können. Ich hätte nie gedacht, dass ich 6 Jahre lang fest am Nationaltheater Mannheim gewesen wäre. Das war pures Glück!!! Und als wunderbare Nebenwirkung kam noch dazu, so viele interessanten Menschen kennenzulernen, die aus der ganzen Welt kamen: unglaublich!

Mein Weg war besonders am Anfang schwer: ich musste eine neue Sprache lernen – Deutsch hatte ich schon in der Schule, aber -glaub‘ mir- es war nicht genug! Eine andere Herausforderung war, mein damaliger Freund und meine Familie so weit weg von mir zu wissen. Nach einem Jahr zog mein Freund um und es wurde deutlich einfacher, sich in Mannheim zu Hause zu fühlen.

Das, was noch kompliziert blieb, war tatsächlich, die deutsche Kultur zu verstehen – und nicht misszuverstehen!! Wir sind ja Europäer, aber so unterschiedlich! Es schien mir, dass die Deutschen eher kalt und distanziert waren.

Ich erinnere mich an eine besondere Situation. Ich war bei einem Unterricht „Sängerische Körperschulung“ und wir mussten ein Spiel zusammen spielen. Ich war die einzige Ausländerin. Das Wichtigste ist hier nicht das Spiel per se, sondern was ich dabei gefühlt habe. Es war, als hätte ich eine Mauer drumherum. Die anderen Mädchen konnten sich gegenseitig sehr gut verstehen – spüren. Ich nicht. Ich konnte sie überhaupt nicht spüren. Ich war so isoliert. Mit meinen Wörtern war ich während des Spiels total dabei, aber mit meinem Herz war ich irgendwo in einer Ecke des Saals.

Das Problem war, dass ich mich selbst isoliert hatte, und zwar in meiner Idee, dass die Deutschen so und so waren und ich als Italienerin so und aber so war! Irgendwann habe ich das verstanden und mich allmählich „reingelassen“, mit Ruhe und Lust, andere Menschen kennenzulernen. Dann habe ich bemerkt, dass die Deutschen genauso wie Italiener sind und spüren können, ob Du Dich als Teil der Gemeinschaft fühlst, oder nicht.

Diese Epiphanie ist für mich interessant, weil ich merke, dass ich immer im Prozess war.

Meine Versuche, die anderen Menschen besser zu verstehen und Teil der Gemeinschaft zu werden, haben mich immer dazu gebracht, in Bewegung zu bleiben.

Diese Eigenschaft wurde trotz Corona nicht stillgelegt. Dank der Weiterbildung als Individualpsychologischer Coach habe ich so viel gelernt und so viele interessanten Menschen kennen gelernt, dass ich mich innig noch glücklicher und gesegnet fühle, als vor Beginn der Pandemie.

Ja, ich bin Individualpsychologische Coachin. Ja, ich bin Sängerin und JA, ich bin Mezzo (das war mir nicht immer klar ;) Ich bin Gesangslehrerin und Coachin. Ich bin auch musikalische Beraterin.

Und ich bin Frau von Ema. Ich bin Freundin.

Ich bin Tante und Tochter und freue mich so sehr darüber, im Prozess des guten Lebens zu sein!



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